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Der letzte macht das Licht aus

Das Dorf Großsteinberg hatte vor dem II. Weltkrieg an Handwerksbetrieben und Einkaufsmöglichkeiten so ziemlich alles, was die Einwohner für ihren täglichen Bedarf brauchten. Nach dem Krieg schrumpfte diese Vielfalt aus verschiedene…

Das Dorf Großsteinberg hatte vor dem II. Weltkrieg an Handwerksbetrieben und Einkaufsmöglichkeiten so ziemlich alles, was die Einwohner für ihren täglichen Bedarf brauchten. Nach dem Krieg schrumpfte diese Vielfalt aus verschiedenen Gründen auf ein Mindestmaß. Waren- und Materialknappheit, Betriebsschluss wegen Todesfall des Inhabers und fehlender Nachfolge sowie politische Behinderung Selbständiger waren nur einige.
Mehrere Verkaufsläden wurden bei Eröffnung der Kaufhalle geschlossen. Doch ein Betrieb hat die Zeiten überdauert: Der Friseurbetrieb von ehemals Curt Buchheim am Bahnübergang in der Pomßener Straße war bis zum heutigen Tage für die Bevölkerung offen.
Buchheim hatte einen Kurzwarenladen, der von Frau und Tochter geführt wurde. Die Friseurstube war nebenan und über die Haustür vom Hof aus zu erreichen. Als Buchheim sein Geschäft aus Altersgründen aufgeben musste, übernahm eine Genossenschaft die Räume, legte sie zusammen und schaffte so einen ansehnlichen Friseursalon. Nach der Wiedervereinigung übernahm AIDA das Geschäft und betrieb es bis zum Schluss.

Der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet und in Großsteinberg waren keine geeigneten Räumlichkeiten zu finden.

Dagmar Junker bleibt es nun überlassen, abzuschließen und den Schlüssel abzugeben. Das wars dann. Ihre Kollegin hat in der gleichen Firma in Naunhof ihre Weiterbeschäftigung. Frau Junker hat sich für den vorgezogenen Ruhestand entschieden. Sie wird einige Zeit brauchen, sich an diesen neuen Lebensabschnitt zu gewöhnen. Ihre langjährigen Kunden haben sich für die offensichtlich sehr geschätzte Bedienung auf die unterschiedlichste Weise bedankt. Sie freut sich natürlich sehr.

Auch wenn in Großsteinberg in den letzten zwanzig Jahren nach und nach wieder neue Firmen ansässig geworden sind, so geht doch mit diesem Friseurgeschäft ein letzter Traditionsbetrieb, beinahe ein Jahrhundert alt, still und leise und kaum bemerkt zu Ende. Für die Geschichte des Dorfes bedeutet das einen Schnitt, interessant doch wohl aber nur für den, der sich mit der Dorfhistorie beschäftigt und hart für diejenigen, die nicht mobil sind und sehen müssen, wie sie zum nächsten Friseur in Naunhof oder Grimma kommen.

friseur6Kurzwaren und Friseurgeschäft von Curt Buchheim –
das Fenster rechts gehörte zur Friseurstube

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Karla Hirth und Henry Zupan wollen nochmal „unters Messer“

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Dagmar Junkers letzte Kunden

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Blumen zum Abschied – Dank für lange Jahre
Dienst am Kunden